MANU MAYR – Bote einer neuen Generation

Als Bassist von KOMPOST 3 und 5K HD bewegt sich MANU MAYR zwischen Jazz und Pop. Seine Soloarbeiten stehen im Zeichen der Klangforschung. Mit Projekten wie SCHTUM und GABBEH verdeutlicht der Wiener  seine Vielseitigkeit. Im August eröffnet MAYR gemeinsam mit SUSANNA GARTMAYER das JAZZFESTIVAL SAALFELDEN, um der altehrwürdigen Jazz-Institution einen zeitgenössischen Drall zu verleihen.

Besucher*innen des Internationalen Jazzfestivals Saalfelden erwartet eine überaus seltene instrumentale Kombination, wenn Manu Mayr gemeinsam mit Susanna Gartmayer auf der Bühne stehen wird. Das Duo ist am 23. August für den Auftakt auf der Hauptbühne des Jazzfestivals Saalfelden verantwortlich und lässt dabei den Kontrabass auf die Bassklarinette treffen. Aus gutem Grund. „Wie bei kaum einer anderen Kombination entsteht relativ schnell und einfach ein ganz neuer Klang. Es geht um das Mischen der Sounds“, beschreibt Mayr im Gespräch mit mica das Reizvolle an dieser instrumentalen Verschränkung.

Zwischen Minimal Music und Improvisation

Zwar wird der Auftritt einer grundlegenden Struktur folgen, doch es geht auch um die musikalischen Überraschungsmomente. „Wir werden einen Bogen aus ganz konkretem Material, das von Minimal Music beeinflusst ist, und freien Improvisationen spannen“, sagt Mayr, für den der Auftritt beim Jazzfestival Saalfelden etwas sehr Erfrischendes hat, weil seine Routinen durchbrochen werden. „Das Schöne ist, dass ich mich auf etwas einlassen kann, dessen Ausgang ich nicht vorbestimmen kann.“

Initialzündung im Celeste

Mayr und Gartmayer kennen sich aus dem Wiener Celeste, wo Gartmayer gemeinsam mit Didi Kern und Thomas Berghammer für die „Monday Improvisers Sessions“ verantwortlich zeichnet, die seit vielen Jahren zu den wichtigsten Veranstaltungen für improvisierte Musik mit einem zeitgenössischen Drall in Wien zählen. Ein musikalischer Schauplatz, an dem Dogmen über Bord geworfen werden. Was hinsichtlich Mayrs Schaffen nur allzu gut ins Bild passt. Denn mit den althergebrachten Klischees der Improvisationsmusik hat der Wiener ebenso wenig am Hut, wie sein Werdegang frei von Genrezwängen ist.

Manu Mayr, Susanna Gartmayr (c) Astrid Knie

Jazz, Pop, Kammermusik und Klangforschung

Als Bassist des oft als Supergroup gehandelten Projekts 5K HD, dessen neues Album im Herbst erscheint, bewegt er sich in einem popkulturellen Kontext. Mit Kompost 3 widmet er sich vermehrt dem Jazz. Aber auch Projekte wie Schtum und das Trio Gabbeh, das kammermusikalisch angehaucht ist, verdeutlichen die Rolle Mayrs als Bote einer neuen Generation von Musikerinnen und Musikern. Doch insbesondere seine Soloarbeiten demonstrieren, dass sich die Welt weitergedreht hat.

Gegen das Affektierte

„Ich bin ein Kind der Zapping- and Cut-up-Kultur. Das drückt sich in meiner Musik aus“, sagt Mayr, der im Jahr 2014 im Rahmen des Popfests in der Wiener Karlskirche erstmals als Solist an eine größere Öffentlichkeit trat. Teile seines 2017 erschienen Solo-Albums sind in der Karlskirche entstanden. Denn der sakrale Klangraum bedeutet den idealen Ort für Mayrs musikalisches Selbstverständnis: „Ich suche in erster Linie nach neuen Klängen und Ausdrucksmöglichkeiten. Mich interessiert, was man aus einem Instrument herausholen kann.“ Dabei geht es ihm auch um eine Abgrenzung zu Gepflogenheiten im Bereich der Improvisationsmusik. Mayr: „Der männlich dominierte Gestus vom Instrument als Maschinengewehr und die affektierte Zurschaustellung virtuoser Beherrschung des Instruments sind nicht meine Welt. In meiner Arbeit zählt die Reduktion auf den Klang.“ Das alles hat unmittelbare Auswirkungen auf die musikalische Form in Mayrs Schaffen.

Die Wichtigkeit des klanglichen Kontexts

Eine dramaturgische Verbindung nach gewohnten bzw. gelernten Mustern ist für mich nicht nötig. Ich habe es gern, wenn es Schnitte gibt. Das schafft die Möglichkeit, die Klänge in Bezug zueinander zu stellen. Sie lassen sich besser in Szene zu setzen, was für mich ein wesentlich intensiveres Hörerlebnis bedeutet“, sagt Mayr über die Wichtigkeit des klanglichen Kontexts. Dies muss er letztlich auch am 23. August gemeinsam mit Gartmayer in Saalfelden unter Beweis stellen.

Johannes Luxner

Links:
Manu Mayr (Website)
Manu Mayr (Bandcamp)
5K HD (Website)
Gabbeh (Website)
Schtum (Website)

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