„Ich habe eine sehr theatralische Ader […]“ – ALICIA EDELWEISS im mica-Interview

ALICIA EDELWEISS ist wohl eine der derzeit interessantesten Stimmen der österreichischen Musikszene. Ihr eigenständiges Songwriting war bisher auf einer EP („I should have been overproduced“, Label, 2012) und einem Album („Mother, how could you“, Glowing Records, 2018) zu hören, im September soll das neue Album auf dem Label „MedienManufaktur“ erscheinen. Neben ihren mitreißenden Live-Shows, die in letzter Zeit meist als Trio mit LUKAS LAUERMANN und MATHIAS FREY an Cello und Geige bestritten wurden, ist ALICIA EDELWEISS auch als Akkordeonistin bei VOODOO JÜRGENS’ ANSA PANIER aktiv. Ulrich Rois traf die Musikerin zu einem Gespräch über ihre Wurzeln in der Straßenmusik, das Tourleben, Kollaborationen mit anderen Künstlerinnen und Künstlern sowie die Aufnahmen zum aktuellen Album.

Wie würdest du deinen bisherigen musikalischen Werdegang beschreiben? Wie hast du angefangen, Musik zu machen?  

Alicia Edelweiss: Ich habe mit ungefähr sechs Jahren begonnen, Blockflöte zu spielen und etwas später dann Gitarre. So richtig mit dem Musikmachen angefangen habe ich, als ich 19 war. Damals habe ich auch begonnen zu reisen und habe die Straßenmusik für mich entdeckt. Dadurch habe ich dann Mut bekommen, selbst Lieder zu schreiben. Ich habe immer wieder andere Instrumente ausprobiert, vor allem aber das Akkordeon hat dann viel verändert.

Damit sprichst du einen interessanten Punkt an. Du kommst ja ursprünglich von der Straßenmusik. Inwiefern hat das deine Musik beeinflusst und ist das heute noch für dich wichtig?

Alicia Edelweiss: Straßenmusik war für mich sehr wichtig. Sie hat mir sozusagen meine Stimme gegeben, weil ich auf der Straße alle Freiheiten hatte, mich auszuprobieren. So habe ich auch gelernt, auf meine eigene Art zu singen und zu performen, die Aufmerksamkeit des Publikums auf mich zu ziehen und einfach zu verstehen, was den Leuten taugt und was nicht.

Performative Kunst und Zirkuselemente sind oft Teil deiner Auftritte. Inwiefern unterscheidet sich das für dich von „rein musikalischen“ Auftritten?

Alicia Edelweiss: Ich habe damit begonnen, weil mir irgendwie selber so langweilig war nur mit den Liedern. Ich habe eine sehr theatralische Ader und habe versucht, das auf diese Art auszuleben. Ich finde es immer gut, wenn ich etwas mache, was ich mich vorher nicht getraut habe, und mich dadurch weiterentwickle. Einfach nur Lieder zu spielen ist für mich relativ einfach – da ist das Performative schon etwas Gewagteres. Meine Einstellung dazu hat sich aber mit der Zeit etwas geändert. Ich bin irgendwann draufgekommen, dass ich mich gar nicht zwingen muss, immer etwas total Arges auf der Bühne zu machen, weil die Lieder für sich voll okay sind.

Dein Pressetext erwähnt Anti-Folk, also eine vornehmlich amerikanische Musikströmung rund um Vertreterinnen und Vertreter wie The Moldy Peaches, Jeffrey Lewis und Daniel Johnston als Inspiration für dein Songwriting. Inwiefern waren diese Künstlerinnen und Künstler für deine musikalische Entwicklung wichtig?

Alicia Edelweiss: Die Anti-Folk-Szene hat mir vor allem den Mut gegeben, eigene Songs zu schreiben. Ich glaube, ohne die Moldy Peaches hätte es etwas länger gedauert, bis ich selbst Musik gemacht hätte. Also, ich denke, es wäre schon passiert, aber ich hätte vielleicht noch etwas länger gebraucht. Als ich die Moldy Peaches zum ersten Mal hörte, war das so ein Moment, wo ich gedacht habe: „Ah, so werd ich das machen!” Das war endlich etwas, was mit meinem Inneren mehr als andere Singer-Songwriter korrespondiert hat. Musiker wie Jeffrey Lewis und Daniel Johnston haben mir den Mut gegeben, Lieder zu schreiben, die nicht so klingen müssen wie die meisten anderen. Die können zum Beispiel auch lustig und schräg sein, ein bisschen punkiger.

„Ich habe damals mit dem Akkordeonspielen begonnen, weil es einfach zu meiner damaligen Situation als Straßenmusikerin und Vagabundin gepasst hat […]“

Du spielst verschiedene Instrumente. Gibt es eines, das du als dein Hauptinstrument bezeichnen würdest?

Alicia Edelweiss: Ja, ich glaube mittlerweile das Akkordeon. Auch weil ich ja jetzt bei Voodoo Jürgens Akkordeon spiele. In Zukunft möchte ich aber mehr Klavier spielen. Ich habe damals mit dem Akkordeonspielen begonnen, weil es einfach zu meiner damaligen Situation als Straßenmusikerin und Vagabundin gepasst hat und weil ich es liebe, aber ich kann halt auch kein Klavier auf die Straße oder auf Reisen mitnehmen.

„[Jedes] Lied [hat] sein bestimmtes Instrument.“

Würdest du sagen, dass die Instrumentenwahl auch dein Songwriting beeinflusst?

Alicia Edelweiss: Ja! Also jedes Lied braucht immer sein Instrument. Ich habe schon öfter Lieder auf einem Instrument geschrieben, aber die Essenz des Liedes konnte sich erst so richtig entfalten, als ich es dann auf ein anderes Instrument übertragen habe. Bei mir ist das eben so, dass jedes Lied sein bestimmtes Instrument hat. Mit jedem Instrument, das man lernt, erweitert man so auch sein eigenes Songwriting, da jedes Instrument sein eigenes Spielgefühl, seine eigene Stimmung mitbringt.

Was kannst du uns über deine bisherigen Veröffentlichungen erzählen? Deine erste EP erschien ja bereits 2012. Wie war da der Entstehungsprozess?

Alicia Edelweiss: Ich war zu dem Zeitpunkt auf Reisen und hatte mich eine Weile in Portugal niedergelassen. Dort habe ich jemanden getroffen, der mich sehr motiviert hat, eigene Lieder zu schreiben, und mir angeboten hat, im Studio eines Freundes aufzunehmen. Das ist dann auch alles sehr schnell gegangen. In drei Wochen hatte ich sieben Lieder geschrieben und dann ging es gleich ins Studio zum Aufnehmen, und das war es schon. Dann habe ich die Aufnahmen einfach auf Bandcamp gestellt und bei meinen Auftritten CD-Rs davon verkauft.

Und wie verhielt es sich mit deinem ersten Album „Mother, how could you?“ von 2016?

Alicia Edelweiss: Das Album habe ich fast komplett zu Hause aufgenommen. Es ist für mich ein bisschen das „trashige“ Album. Da habe ich dann alles selbst gemacht, außer das Mischen, und es mehr oder weniger auch selbst veröffentlicht, auf Tape und CD, alles mit selbst gemachtem Booklet und Artwork. Für das neue Album möchte ich auch wieder ein Booklet machen, diesmal ein größeres, quadratisches, ähnlich wie ein Comic-Buch. Also, es wird wahrscheinlich ein kleineres Booklet für die LP und CD geben und ein größeres, eigenständiges Buch, das man dann getrennt davon kaufen kann.

Du arbeitest also gerade an deinem nächsten Album. Für wann ist die Veröffentlichung geplant?

Alicia Edelweiss: Das Album soll im September auf „MedienManufaktur“ rauskommen, die Release-Party ist für Oktober im Rabenhof Theater geplant.

„Mir ist nur wichtig, dass ich letztendlich die absolute Kontrolle habe, also dass niemand in der Position ist, etwas für mich zu entscheiden.“

Alicia Edelweiss (c) Dietmar Lipkovich

Nachdem die erste EP also sehr spontan und mit anderen Leuten entstanden ist und dein Debütalbum hauptsächlich allein und zu Hause, wie war der Prozess bei dem neuen Album?

Alicia Edelweiss: Ich habe bei meinem ersten Album gemerkt, dass durch das Aufnehmen zu Hause ein wenig die Spontanität verloren ging. Mir gefällt das Album nach wie vor, aber da ich alles allein gemacht habe und viel schneiden und ausbessern konnte, ging eben vielleicht ein bisschen die Spontanität verloren. Ich hatte auch nur ein Mikro, deshalb konnte ich nie etwas live aufnehmen, sondern immer nur Spur für Spur. Beim neuen Album habe ich deshalb auch darauf geachtet, möglichst oft live aufzunehmen, damit das auch wieder organischer klingt. Da bin ich auch draufgekommen, dass es schon toll sein muss mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten. Mir ist nur wichtig, dass ich letztendlich die absolute Kontrolle habe, also dass niemand in der Position ist, etwas für mich zu entscheiden.

Dein erstes Album hast du komplett allein aufgenommen oder gab es da schon auch Gäste?

Alicia Edelweiss: Bei einigen Tracks hat ein sehr guter Freund von mir, der Gitarrist Jakub Deptuch, auch bekannt als Enslaved Forestman, mitgewirkt und es gab noch ein paar ganz kleine Beiträge von anderen Leuten, aber sonst nur solo.

Und wie ist beim aktuellen Album jetzt die Besetzung?

Alicia Edelweiss: Das ist jetzt eine etwas aufwendigere Produktion. Auf dem Album sind Streicher dabei, also Matthias Frey an der Geige und Lukas Lauermann am Cello. David Schweighart spielt bei einem Lied Schlagzeug, Manu Mayr hat den Kontrabass beigesteuert und Martin Siewert bei einem Lied die Bassgitarre. Bei ihm haben wir auch einiges aufgenommen, aber das meiste entstand bei Markus Schloffer.

Produziert hast das Album wieder du selbst?

Alicia Edelweiss: Ja, sozusagen, obwohl das ja immer ein sehr schwammiger Begriff ist. Ich würde eher sagen ich hatte Co-Produzenten bei vielen Liedern, ich habe mit Markus Schloffer, Martin Siewert und Wolfgang Möstl zusammengearbeitet.

„Das neue Album ist jetzt etwas ernster, nicht mehr so verrückt.“

Wie hat sich deine Musik im Laufe der drei Veröffentlichungen entwickelt?

Alicia Edelweiss: Ja, also es hat sich sehr viel verändert. Die EP war eine klassische Anti-Folk-Sache. Beim ersten Album habe ich sehr viel ausprobiert und es war irgendwie von der Stimmung her sehr freaky, zirkusmäßig. Das neue Album ist jetzt etwas ernster, nicht mehr so verrückt. Es ist auch viel besser produziert. Es gibt auch gar nicht mehr so viele lustige Lieder, vieles ist einfach schön, dramatisch oder traurig, vor allem auch mit den Streicherarrangements. Es ist eigentlich so etwas, was ich schon immer machen wollte, wozu ich bisher aber nie die Möglichkeit hatte. Also, es hat viel damit zu tun, dass ich jetzt endlich eine Band habe. Matthias und Lukas haben auch viel arrangiert, es ist also nicht so, dass ich das alles allein gemacht habe. Jeder bringt so seine Ideen mit, das ist echt cool.

Wie funktioniert das derzeit mit der Umsetzung bei Auftritten? Spielst du dann auch mit Band?

Alicia Edelweiss: Wir spielen jetzt meistens zu dritt, also ich und die beiden Streicher. Es gibt aber auch Ideen, mal mit einer größeren Band zu spielen, das würde mich schon auch reizen. Mal schauen, was nach Veröffentlichung der Platte passiert.

Die Platte soll ja im September 2019 erscheinen.   

Alicia Edelweiss: Ja, das Album kommt am 6. September raus und die Release-Show in Wien ist im Oktober. Dazwischen und danach werden wir einige Konzerte in Österreich und Deutschland spielen und dann noch eine Runde im Jänner oder Februar. Da ich auch mit Voodoo Jürgens spiele und wir viel touren, sind meine Möglichkeiten für längere Solo-Touren eher begrenzt.

Damit sprichst du ein weiteres Thema an. Du warst und bist ja neben deinen Solo-Sachen noch in einige andere Projekte involviert. Zum Beispiel Old Trees und, wie eben erwähnt, Voodoo Jürgens. Wie ist da der aktuelle Stand? Welche Projekte sind gerade aktiv?

Alicia Edelweiss: Old Trees ist nicht mehr aktiv, wir haben uns bereits 2015 aufgelöst, aber das war ein wichtiges Projekt für mich. Das war meine erste richtige Band. Wir waren in ganz Europa unterwegs. Das war so eine Folk-Punk-Sache, da haben wir in allen möglichen besetzten Häusern und Underground-Clubs in Europa gespielt. Das war schon eine coole Zeit. Wir waren aber auch alle aus unterschiedlichen Ländern und das hat die Organisation teilweise sehr anstrengend gemacht. Irgendwann haben wir uns dann aufgelöst.

Und wie ist das mit der Ansa Panier, also der Band von Voodoo Jürgens? Seit wann bist du da dabei und wie ist das zustande gekommen?

Alicia Edelweiss: Da bin ich seit Herbst 2016 dabei. David, also Voodoo, und ich haben einander 2016 kennengelernt, als wir ein gemeinsames Konzert im Einbaumöbel gespielt haben. Da wussten wir dann, dass wir unsere Musik gegenseitig wertschätzen. Und als David [David Öllerer; Anm.] dann eine Band für das Projekt zusammengestellt hat und die erste Tour anstand, hat er mich gefragt, ob ich Akkordeon spielen möchte. Seitdem hat sich für mich viel verändert. Der finanzielle Stress ist jetzt nicht mehr so groß und dadurch ist alles etwas relaxter.

 „Ich bin eher eine Einzelgängerin […]“

Alicia Edelweiss (c) Raffaela Schumer

Und wie haben dir die Touren bisher gefallen, auch verglichen mit deinen Solo-Touren?

Alicia Edelweiss: Ich war auch solo relativ viel unterwegs, das hat mir schon auch viel Spaß gemacht, war aber auch immer etwas anstrengend. Immer die Busse und Züge erwischen und buchen, mit all den Sachen, die man mit sich rumschleppt, oder den ganzen Smalltalk mit den Veranstalterinnen und Veranstaltern selber machen zu müssen … Das kann allein schon sehr mühsam sein. Mittlerweile finde ich es schon cooler, mit anderen Leuten zu touren.
Und bei Voodoo Jürgens … also, am Anfang habe ich mir schon etwas schwergetan, auch weil ich die einzige Frau und die Jüngste in der Partie war. Ich hatte sehr oft ein unbehagliches Gefühl, auch weil ich nie ein Gruppenmensch war. Ich bin eher eine Einzelgängerin, aber mittlerweile kenne ich alle schon gut. Es ist echt schön, wie sich so etwas entwickelt. Je besser man einander kennt, desto unkomplizierter wird alles. Und jetzt ist das schon wie eine zweite Familie für mich.
Wir haben halt auch den Luxus, dass keiner von uns fahren muss, da wir einen eigenen Fahrer haben. Das ist schon auch sehr angenehm. Niemand in der Band hat unglaublich viel Verantwortung, wenn wir auf Tour sind, wir müssen eigentlich nur den Sound checken und die Konzerte spielen.
Was bei mir noch dazukommt, ist, dass ich keinen Alkohol mehr trinke. Das war auch ein Gewöhnungsprozess, dass ich mich dabei wohlfühle, wenn alle anderen trinken.

Würdest du sagen, dass diese anderen Projekte einen Einfluss auf dein eigenes hatten?

Alicia Edelweiss: Ja, auf jeden Fall! Also, bei der Ansa Panier habe ich ja auch Matthias Frey von Sweet Sweet Moon kennengelernt und dadurch hat sich für mich sehr viel verändert. Wir haben uns musikalisch einfach extrem gut verstanden. Ich habe dann eine Zeit lang viel bei Sweet Sweet Moon mitgespielt, und er hat dann auch begonnen bei mir fix mitzuspielen. Ich glaube, das hat auch meinen Stil ziemlich verändert. Ich bin ja eigentlich auch ein sehr genauer Mensch, hatte bei meiner Musik aber immer auch eine gewisse Punk-Attitüde. Matthias ist ein extrem genauer Mensch und wenn man so viel mit solchen Leuten zusammenspielt, muss man dann auch lernen, etwas exakter zu sein. So habe ich jetzt eben auch gelernt, das Exakte im Musikalischen zu lieben, und so ist meine Musik vielleicht auch etwas ernster geworden.

Sweet Sweet Moon & Alicia Edelweiss (c) Mael Blau

Und wie kam Lukas Lauermann dazu?

Alicia Edelweiss: Ich hatte irgendwie immer Probleme, eine Cellistin oder einen Cellisten zu finden, die oder der motiviert sind und Zeit hat. 2017 habe ich dann mal einen Solo-Auftritt von Lukas gesehen und mir gedacht: „Der könnte verstehen, was ich mache.“ Als ich dann dringend eine Cellistin oder einen Cellisten für die neuen Albumaufnahmen suchte, habe ich ihn einfach angeschrieben, ob er Lust habe mitzuspielen. Er hatte Lust und das passt jetzt auch sehr gut zusammen. Lukas ist auch für die Arrangements sehr wichtig.

Ich bewundere Leute, die ständig so viele Projekte haben, aber ich bin da wohl nicht so multitaskingfähig.“

Gibt es sonst noch irgendwelche Projekte, an denen du derzeit beteiligt bist?

Alicia Edelweiss: Eigentlich nicht. Ich würde gern eine neue Band starten, wo ich E-Gitarre spiele, aber es ist einfach zeitlich derzeit sehr schwierig. Ich hoffe aber, dass ich in den nächsten beiden Jahren wieder ein neues Projekt starten kann. Im Juni spiele ich dann bei den Wiener Festwochen Akkordeon für einen Film, oder eigentlich ein „visuelles Gedicht“, wie der Regisseur Béla Tarr sagt. Es heißt „Missing People“ und da gehts um obdachlose Menschen in Wien.

Über die Zirkus-Connections hatte ich dann auch eine Zeit lang ein Duo mit Nick Treadwell, der früher viel mit den Tiger Lillies performt hat. Ich habe also einige kleinere Projekte, aber sonst nicht viel im Moment. Als Alicia Edelscheiß habe ich kurze, zirkushafte, theatralische Stücke performt.

Ich bewundere Leute, die ständig so viele Projekte haben, aber ich bin da wohl nicht so multitaskingfähig.

Es kommt ja vielleicht auch immer darauf an, wie intensiv man an den einzelnen Projekten arbeitet.

Alicia Edelweiss: Ja, voll. Ich bin bei meinen Dingen halt immer so, dass ich die komplette Kontrolle über alle Aspekte haben will. Ich bin dann auch immer sehr involviert in die Videos und das Artwork. Alles, was ich künstlerisch mache, muss schon zu mir passen, und ich denke, es ist schwierig, wenn das jemand anderer macht, es gibt nur ganz wenige Menschen, denen ich da vertraue. Ich kann ja schwerlich erwarten, dass jemand die Welt mit meinen Augen sieht, obwohl ich schon oft den Fehler gemacht habe, das zu glauben. Aber mir ist es wirklich wichtig, dass alles, was irgendwie mit meiner Musik zu tun hat, auch meinen künstlerischen Ausdruck trägt.

Vor Kurzem ist ja auch eine Doku über dich erschienen, „The Sound of Alicia Edelweiss”. Kannst du dazu etwas erzählen? Wer hat diese Doku initiiert und wo kann man sie sehen?

Alicia Edelweiss: Das ist das Projekt des Regisseurs Wolf Morrison, der sonst hauptsächlich für Trash-Horrorfilme bekannt ist. Anfangs war ich etwas skeptisch, aber dann dachte ich mir: „Ich kann eigentlich eh nichts verlieren.“ Letztendlich bin ich schon sehr zufrieden damit, da es eine coole Erinnerung ist. Vor allem sieht man auch gut, wie sich die Musik über die anderthalb Jahre, in denen die Doku gedreht wurde, verändert hat. Derzeit kann man die Doku bestellen oder bei Konzerten kaufen. Vielleicht wird es sie in Zukunft auch online zu sehen geben.

Abschließend wollte ich fragen, wie du das mit musikalischen Szenen und Netzwerken in Wien empfindest. Hat sich das bei dir mehr über gemeinsame musikalische Interessen oder mehr über persönliche Kontakte und Freundschaften entwickelt?

Alicia Edelweiss: Vor meiner Zeit bei Voodoo Jürgens hatte ich eher wenig Verbindungen zur Wiener Musikszene, eher noch zur Zirkusszene und zur anarchistischen Szene. Seitdem ich in der Band spiele, habe ich immer mehr Leute kennengelernt, die Sachen machen, die ich gut finde, und die teilweise zu Freunden und Mitmusikern geworden sind. Dadurch ergibt sich dann irgendwie ein Netzwerk, das ist schon eine gute Sache!

Würdest du sagen, dass sich diese Verbindungen bei dir eher über gemeinsame musikalische Interessen ergeben oder eher über persönliche Verbindungen, also über Leute, mit denen du einfach gerne zusammenarbeitest?

Alicia Edelweiss: Also, das hat sich bei mir wohl bisher eher über gemeinsame musikalische Interessen ergeben, besonders durch Live-Auftritte. Aber die Menschen, mit denen ich am liebsten zusammenarbeite, wo es eine starke künstlerische Verbindung gibt, wo alles einfach mit Leichtigkeit ineinanderfließt, das sind oder werden dann meistens sehr enge Freunde.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Ulrich Rois

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Alicia Edelweiss (Bandcamp)
Alicia Edelweiss (Soundcloud)

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